14.09.2011 - Durchzug

*gääähn* ... Muss ich denn wirklich schon wieder aufstehen? Tut das not?

Mit diesen Fragen in den Augen schaut Xanny mich jeden Morgen an und lässt sich nur schwer überreden aufzustehen. Nachdem ich ihn dann mit viel Überredungskunst nach draußen gelockt habe und er sein morgendliches Geschäft verrichtet hat, plumpst er im Bad auf meine Füße und ratzt noch eine Runde, bis ich in die Küche gehe und anfange mit seiner Schüssel zu klappern, dann wird er doch wach.

Im Moment haben wir scheinbar eine "Ich schalt auf Durchzug"-Phase. Der Lümmel mag nicht so wirklich hören, es ist schwierig sich durchzusetzen. Vor allem mich scheint er - grad abends in seiner Tobezeit - ständig herausfordern zu wollen zum Kräfte messen. Es ist schwer für mich, nicht immer darauf einzusteigen. Manchmal müsste ich es einfach ignorieren und ihn stehen lassen mit seinem Übermut. Aber da ich doch ein recht impulsiver Mensch bin, passiert meist die Reaktion vor dem Denken und dann ist es zu spät und ich muss durchziehen, was ich begonnen habe.

Xanny frisst nach wie vor alles und davon auch möglichst viel. Die neu erstandenen Knorpelknochen scheint er besonders zu mögen, vor allem ist er damit auch immer eine ganze Zeit beschäftigt, so dass ich mich in Ruhe um das Mittagessen kümmern kann - ohne Hund auf den Füßen vorm Herd.

Nachmittags gibt es öfter mal Suchspiele im Garten. Leckerli unter einem von 4 Hütchen kommt immer gut und ist eigentlich schon viel zu einfach. Deshalb wird jetzt das Leckerli im Garten versteckt, wobei Xanny noch zusehen darf, wohin Sohnemann mit dem Leckerli verschwindet. Da wir aber im Garten einen Carport, Kaminholzregale und ein Gartenhäuschen stehen haben, kann Xanny nicht genau sehen, wo das Leckerli verschwindet. Er kann also der Richtung erst mal folgen, muss dann aber doch seinen Nase einsetzen. Und bis jetzt hat er noch jedes Leckerli gefunden. Gestern war ich mit ihm auf einem abgemähten Stoppelfeld unterwegs. Dort hab ich ihn am Halsband festgehalten und das Leckerli ca. 5 Meter ins Feld geworfen. Seine Aufgabe, es wiederzufinden, hat er recht gut gemeistert, nur für das erste hat er etwas länger gebraucht.

Im Geschäft wird Xanny auch immer ruhiger. Ich habe den Eindruck, er hat begriffen, dass ihm das ganze Gejammer nichts bringt außer Ignoranz. Klar motzt er noch, wenn ich aus dem Sichtfeld gerate, aber er ist schon wesentlich entspannter geworden. Und da wir den Weg zur Arbeit zu Fuß bewältigen, schläft er sowieso die erste Stunde, oder auch mal 1,5 Stunden. Dann gehen wir kurz in den Garten, wobei er jetzt immer schaut, ob die Hündin des Hauses nicht auf ihrem Lieblingsplatz in der Hecke liegt. Da muss er einfach immer rein, und kommt immer erfolglos wieder raus. Jule mags eben lieber gemütlich im Wohnzimmer. Mit 12 Jahren darf man auch wählerisch werden. Und da will man auch nicht mehr solch albernes Jungvolk um sich haben. Danach mosert Xanny meist ein wenig, um dann die nächste Schlafrunde einzuschieben. Naja, 3 Stunden sind auch schnell rum und dann laufen wir wieder nach Hause.

Nachmittags laufen wir meist auch noch eine ordentliche Runde, so dass Xanny nicht gar so sehr auf dumme Ideen kommt. Das Pool-Loch ist noch immer sehr interessant, da gibt es ringsherum noch diverse Styropor-Streifen auszubuddeln und wenn die doofen Dinger nicht rauswollen, dann bellt Xanny sie an und beschimpft sie.

Vor 3 Jahren haben wir zusammen mit Sohnemann ein Igelhaus gebaut und bisher immer vergeblich hinein geschaut, die Igel hatten es einfach nicht begriffen. Aber dieses Jahr ist einer eingezogen. Ich wunderte mich, was Xanny wohl so Interessantes an dem Häuschen finden mag, dass er so darum herum hopst. Nun wissen wir es. Und wir wissen jetzt auch, wo immer mal wieder diese einzelnen Flöhe herkommen, die ich Xanny aus dem Fell fange.

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