26.07.2011 - Im neuen Heim

Xanny ist ein ausgeglichener Knirps, er schaute sich alles an, Neues wurde beäugt, Geräusche wurden hingenommen. Außer wenn Nachbars Fußhupe - entschuldigt den Ausdruck - zwei Häuser weiter am Zaun kläffte, das fand er wohl noch nicht so komisch. Auch die blonde Retriever-Dame am Zaun hat er mit Abstand beäugt. Blonde Hunde kannte er noch nicht.

Ich war ganz offensichtlich Vertrauensperson Nr. 1, aber da ich mich bei den Besuchen auch schon ausgiebig mit Xanny beschäftigt hatte, war das kein Wunder. War ja auch mein Ziel. Ganz süß wie er mir hinterher-dackelte ... ähm ... hinterher-dalete.

Die erste Nacht war ganz easy. Nachdem mir Xanny vermittelt hatte, dass er die Idee mit dem Umzugskarton vor dem Bett total Sch... findet und überhaupt nicht wusste, wie er sich da drin bequem ausstrecken sollte, haben wir sein Bett vor mein Bett gepackt, den Umzugskarton nur als Weglaufsperre drapiert und dann war bis 4:30 Uhr Ruhe. Nach der Pinkelpause wollte der Herr erst mal ne Runde toben, das hab ich aber mal gleich ignoriert und ihn wieder in die Heia geschickt. Naja, bis 6:30 Uhr, dann wars vorbei mit dem Schönheitsschlaf.
Am nächsten Vormittag saß ich eine Stunde mit ihm im Kofferraum. Ich wollte ihm den nur schon mal zeigen, Xanny fands aber urgemütlich und schlief erst mal eine Runde. Da der Kofferraum Richtung Straße zeigt und dort viele Radfahrer, Autos und hinter der Straße und einem Grünstreifen auch Züge vorbeidüsen, fand ich das ganz gut, so hat er vor und nach seinem Nickerchen auch das gleich alles mal aus sicherer Entfernung kennen gelernt.

Fressen war gar kein Problem, wobei es aber doch schon eine Reihenfolge gab. Erst das Fleisch, ist ja klar. Dann den Hühnerhals inspizieren, rausschleppen, drumrumhüpfen, den Hals zum Spielen auffordern, wieder zum Napf schleppen und erst mal das Gemüse fressen. Dann in Ruhe den Hühnerhals katschen. Braver Hund!

Und da Sohnemann den ganzen Vormittag mit der Ritsch-Ratsch-Klick-Kamera unterwegs war, gabs auch schon wieder Fotos.






Nachdem wir den lieben langen Tag im Garten auf einer Decke oder im Zelt herumgefaulenzt, getobt, geknuddelt und geschlafen hatten, war mein Hintern durchgesessen. Aber es hatte sich wirklich gelohnt, Xanny wusste schon, wo er hingehört.

Tagsüber hatten wir ihn schon mal kurzzeitig an der Leine, ging super. Nachmittags sind wir mit dem Auto zu meinen Eltern gefahren, das war ein wenig mit Quietschen verbunden, ging aber letztlich auch recht gut. Dort hat er entspannt unter dem Stuhl geschlafen.

Am nächsten Abend sind wir dann das erste Mal mit Xanny los, einmal um den Pudding, ums Eck, ums Quarree. Über die Grundstücksgrenze wars nicht so ganz einfach, da mussten Käsewürfel helfen. Aber dann gings flott voran. Bei den Nachbarn kläffte dann wieder die Fußhupe, vor dessen Gebell Xanny tags schon erschrocken ist. Dort ist er mit geklemmtem Schwanz vorbei und dann wars auch schon vergessen. Bei unseren Freunden waren wir fast vorbei, da entdeckten die Kinder den Knirps. So sind wir also aufs Grundstück und Xanny wurde von 4 Kindern besäuselt. Hat er größtenteils schwanzwedelnd gemeistert. Ich war echt überrascht.

Dann um die Ecke begegneten wir doch tatsächlich dem Airedale aus der Nachbarschaft. Ein Riese von einem Rüden. Der wollte Xanny natürlich begutachten, der hat aber ein Riesengeschrei veranstaltet, bevor ihn auch nur die Barthaare des Großen berühren konnten. Naja, hat sich aufgelöst, die Situation und schwupps war die Rute wieder oben und weiter gings bis nach Hause.

Nun wurde ich gefragt, warum ich denn schon so schnell mit dem Drops an der Leine los bin, statt ihn erst mal ausgiebig zu Hause einzugewöhnen. Ganz einfach. Bald darauf sollte mein erster Arbeitstag sein. Ich würde Xanny zwar mitnehmen, mein Plan war aber auch, dass er dann schon ein Stückchen selbst bis zum Laden läuft. Und da er sich zu Hause wirklich super verhielt, die Piesel-und-Haufen-Ecke bereits klar abgesteckt war, die Fresserei wider Erwarten hervorragend funktionierte, und er wirklich sehr auf mich fixiert war, hab ich den Versuch mit dem Spaziergang einfach unternommen. Und es war auch tatsächlich nur der Schritt um die Ecke auf den unbekannten Fußweg, der gemeistert werden musste.

Am 3. Tag fraß Xanny mittags wieder zuerst die Fleischstücken, dann das Gemüsepamps, und dann begann wieder die Hühnerhalsbespaßung. Ich hab mich scheckig gelacht. Dann schleppte Xanny ihn nach draußen, ganz gezielt in die Ecke zwischen Holzregal und Tomatentopf und hat versucht, ihn dort unter dem Pflaster zu verscharren. Ging natürlich nicht, hat er ihn da liegen lassen, für schlechte Zeiten. Das fand ich nun aber gar nicht lecker, und hab ihn wieder aus der Ecke geholt. Was machte Xanny? Nahm den Hühnerhals, rannte wie ein Blöder schnurstracks in mein Blumenbeet, scharrte ein Loch, Hals rein, Loch mit der Schnauze wieder zugeschoben und guckte wie eben ein AT guckt. Is was? War ich das etwa? Kann gar nich sein!

Für ein Leckerli oder den Futternapf machte Xanni tatsächlich schon Sitz, ich hatte wohl einen ganz Intelligenten erwischt. Naja, soll ja zu mir passen.

Abends im Bett weinte Xanny noch ein wenig, so ganz allein war das noch ungewohnt zu schlafen. Zumal er mit seinen Geschwistern immer zusammengeknäult, drunter und drüber geschlafen hatte. Na, das würde auch noch. Erste Pullerpause 4 Uhr, zweite 6:30 Uhr. Klappte hervorragend, denn 6:30 Uhr stehen wir immer auf, wenn Schule und Arbeiten angesagt sind.

Einmal nachts musste ich doch 3 mal die Treppe runterdüsen, wenigstens immer mit Erfolg. Dafür hat Xanny dann morgens bis 8:30 Uhr geschlafen.

Nachdem die ersten Autofahrten noch mit viel Gejammer verbunden waren, gings bald schon recht gut. War glaub ich ne ganz gute Idee, jeden Tag eine kurze Strecke zu fahren.

Einen Tag nach der Hühnerhals-Verbuddel-Aktion um Punkt 12 Uhr beschloss der gnä Herr übrigens, dass Mittagszeit sei und buddelte siegesbewusst seinen Hühnerhals wieder aus. War dann die Vorspeise. Xanny frisst alles, es gibt jeden Tag irgendwie was mit Fleisch, Gemüse und Obst, mal mit Öl, mal mit Lebertran, bissle Babybrei oder Haferflocken.




Bevor die Arbeiterei wieder losging, war ich schon ein paar Mal mit Xanny im Geschäft, damit er es schon kennen lernt. Nun klingt das, als ob ich dem armen kleinen Hund gleich alles mögliche zeigen wollte. Öhm, wollte ich auch, aber zu aller Beruhigung: zwischen den ganzen Erlebnissen hatten wir auch viel Ruhe zu Hause mit Kuscheln, Knuddeln, Toben, Garten erkunden und austesten, wo man noch überall ein NEIN hören kann

Was NEIN heißt, weiß Xanny schon wirklich gut. Trotzdem ist Finger- und Zehenbeißen immer noch sehr verlockend. Meist beißt er aber nicht mehr wirklich zu, nur noch wenn er ganz wild am Toben ist.

Ab und an kam der riesige schwarze Nachbarshund am Zaun vorbei. Der war nicht so furchteinflößend wie die blonde Hundedame. Den hat Xanny sogar mal angebellt, hatte sich dann aber sofort in Sicherheit gebracht.

Am 3. Abend konnte ich wirklich sagen, dass Xanny bei uns angekommen war. Bis zum Abend vorher war der Mut allein im Garten loszutoben noch etwas begrenzt und die Nähe zu mir wirklich wichtiger. Am 3. Tag tobte die Motte schon richtig los in AT-Manier natürlich mit eingezogenem Hinterteil, dem Quietscheball hinterher, der schon nicht mehr quietschte. Klar, die Nähe war weiter wichtig, nicht das schöne Bett zählte, sondern einfach, bei uns zu sein, egal wo wir grad waren, auch wenn er dann "nur" schlief.

Sitz mit erhobenem Zeigefinger hatten wir spielerisch mit Leckerlis ausprobiert, klappte ganz schnell. Am 3. Abend stand ich mit der Futterschüssel vor dem Fressplatz, und hob - Ungeduld in Person - nur den Zeigefinger und wupps, saß dieses kleine Geschöpf in Erwartung seines Futters vor mir. Ich bin bald aus den Schuhen gekippt. Mit 9 Wochen!

Und schon wieder war der Hühnerhals verbuddelt. Ich hatte die Verstecksuche beobachtet, herrlich.


Vielleicht in den Blumentopf mit der Minze? Pfoten auf den Rand, reingeschaut ... ach neeee;
Vielleicht in die Gießkanne? Rein mit der Schnauze ... halt, da krieg ich den nicht wieder raus;
Vielleicht unter den Regenfässern? nee, da komm ich nachher nicht mehr drunter;
Vielleicht hinterm Blumenregal? Ach Mist, Steinplatten, nix zum Buddeln;
Oh! Frauchen zeigt mir da grad was und meint, DA könnte ich buddeln: Okay, los gehts: Loch auf, schöööön vorsichtig, bloß nicht so dreckig machen, Hals rein, Loch zu. Dumdidum ... tschüss bis morgen, Du Hals!

Hab ich euch eigentlich auch schon erzählt, dass rohe Leber wirklich ekelhaft ist? *Strubbelschnute verzieh* SOWAS fress ich nun wirklich nicht, das spuck ich wieder aus und schüttel mich!

Aber wisst ihr was herrlich ist? Zwischen den Füßen von Frauchen schlafen. Mir doch egal, wenn sie grad am Gulasch kochen ist und dauernd hin und her rennt, ich kuschel mich einfach immer wieder auf ihre Füße *gääähn* ... und schmatze ganz laut im Schlaf ... mmm Gulasch ... wasn das?


Die meisten Hunde die ich kenne/kannte, mochten Staubsauger nicht, hatten Angst davor, bellten sie an usw.. Da machte ich mir nun Gedanken, wie und wann ich am besten das Hundekind mit dem Staubsauger konfrontieren könnte. Als die passende Gelegenheit gekommen zu sein schien - Mann und Sohn spielten mit Hund draußen Fußball, ich also alle Türen auf - bei uns gehts direkt von der Küche über nen kleinen Flur über die Terrasse ebenerdig in den Garten -, dass das Geräusch auch ja bei der Strubbelschnute ankommt - und los gings mit dem Krawall. Was machte Xanny? Kam voll Karacho reingedüst, schnurstracks auf den - wirklich lauten, weil auf volle Pulle Leistung gestellten - Staubsauger zu, kurz gucken, riechen, auf 2 Meter Abstand gehen, noch mal gucken und ... NÜSCHT! Das einzige, was ihm komisch war, waren meine Vor-Zurück-Bewegungen mit dem Rohr. Und schon war das Thema Staubsauger erledigt.

Dieser kleine Wuselwanst überrascht mich täglich aufs Neue, ich bin sooooo stolz auf diese kleine Persönlichkeit. Und was immer ich ihm verbiete oder antue - wie in die Lefzen kneifen oder auch schon mal im Genick packen wenn er seine Zähne so gar nicht unter Kontrolle hat - er kommt immer und immer wieder zu mir und möchte mich liebhaben und geknuddelt werden und gibt mir ganz klar zu verstehen, dass ICH es bin, der er sich anvertraut. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig geschwollen und vermenschlicht, aber ich bin grad auf nem Höhenflug, also habt Erbarmen.

Die nächste Nacht verlief super. 23:30 Uhr ins Bett, ganz ohne Weinen eingeschlafen, bis 6 Uhr durchgeratzt, Pipi-Popo-Pause und nach ignoriertem Tobeversuch noch mal mit bisschen Bauchkraulen eingeschlafen bis kurz nach 8 Uhr. Und danngings an die Ostsee, die erste längere Autofahrt. Da Xanny vormittags überhaupt nicht zum schlafen kam, hatte er das Meckern im Kofferraum ziemlich schnell aufgegeben und ratzt jetzte erst Mal eine Runde.

Am nächsten Tag hatten wir uns wieder etwas Ruhe gegönnt und die Gelegenheit für neue Fotos genutzt. Erst hatte Xanny seine am Vortag vergrabene Kaurolle wieder ausgebuddelt und damit getobt. Danach hatte er mit meinem großen Besen gekämpft, ich bin sicher, Xanny war Sieger.





Xanny ist ja wirklich ein typisches Airedale-Kind, mit seinen typischen 5-Minuten, in denen man ihn einfach nicht stoppen kann. Aber wenn abends nach dem Betthupferl Ruhe einkehrte, dann suchte er schon jemanden zum kuscheln und einschlafen.



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