19.04.2012 - Das Boccia-Spiel

Das Boccia-Spiel.

An einem schönen Tag im April nutzte ich mit meiner Familie das schöne Wetter und feierte meinen Geburtstag mit lecker Torte und Grillfleisch im Garten. Leider ging dieser Tag nicht so gut zu Ende, wie er eigentlich sollte. Meine Männer, Mann und Sohn, wollten im Garten eine Runde Boccia spielen und dazu gehört eine kleine Holzkugel, das sogenannte Schweinchen, ca. 20 mm im Durchmesser. Xanny wollte ein wenig mitspielen, schnappte sich das Schweinchen und es ward nicht mehr gesehen.

Meine erste Reaktion war ein Glas Sauerkraut, das Xanny tatsächlich leer fraß, ohne mit der Wimper zu zucken. Zum Nachtisch gab es die Abendportion Lammfleisch mit Gemüse. Ich hätte schon nach dem Sauerkraut gespuckt, aber Xanny behielt alles drin. Was er einmal hat, das noch dazu schmeckt, das gibt er nicht mehr her. Er schlabberte sogar noch einen fast vollen Becher Buttermilch aus und fraß eine Menge Gras. Auch nach unserer 6 km langen Abendrunde tat sich nix, er schlief seelenruhig.

Nach einem Telefonat mit einer befreundeten Tierärztin rief ich meine Tierärztin vor Ort an und fragte sie, was sie von einer Kotzspritze hielte. Sie war davon überzeugt, dass ein Airedale eine Kugel dieser Größe problemlos durchschleusen würde. Sie empfahl Xanny viel Sauerkraut, viel Fressen und viel Bewegung. Die Kreislaufbelastung durch die Spritze wollte sie ihm nicht zumuten.

Tja, Xanny schlief seelenruhig und ich war total unruhig. Die nächsten Tage bekam Xanny in jede Mahlzeit eine große Portion Sauerkraut und eine zusätzliche Sauerkraut-Mahlzeit zum Mittag. Das fand er toll! Er ist eben eine Fressmaschine. Wir liefen viel, mehr als sonst, wir stocherten jeden seiner Haufen fein säuberlich durch, aber es war keine Kugel zu finden. Ich knetete öfter seinen Bauch durch um zu schauen, ob er Schmerzen hat, nichts. Ich beobachtet ihn ganz genau. Er war wie immer, vergnügt, hungrig, mopsfidel. Nur ich wurde von Tag zu Tag unruhiger. Jeder hatte eine Geschichte zu verschluckten Dingen zu erzählen. Wir suchten gefühlte 183 Mal unsere Wiese nach der Kugel ab, ich schaute sogar bei der Nachbarin ins Blumenbeet. Nichts.

Nach erneutem Telefonat mit meiner Lieblings-Tierärztin fuhr ich dann doch in die Tierarztpraxis und erzählte meine Story. Die Ärztin war noch nicht weiter beunruhigt, wir gingen ja auch immer noch von 20 mm Kugeldurchmesser aus. Meinem Seelenfrieden zuliebe entschlossen wir uns dann zu einer Röntgenaufnahme, da Ultraschall mit vollem Magen und Darm höchstwahrscheinlich nichts ergeben würde.

Also, Xanny rauf auf den Tisch, auf die Seite gelegt, erst mal Gezappel und Gestrampel abgewartet, Bild gemacht. Bild angeschaut. Nichts zu sehen, was im Entferntesten einer Kugel ähneln würde. Die Tierärztin meinte, das könne durchaus mit dem vollen Magen und Darm zusammen hängen. Aha! Sie meinte auch, sie wäre eigentlich recht zuversichtlich und würde abwarten, könne aber auch verstehen, dass ich unruhig sei und man könnte den Ultraschall morgen früh mit nüchternem Hund machen. Das war ihr Angebot.

Nach reichlichen Telefonaten u. a. mit meinem Mann,
der mir den gegoogelten Durchmesser des Schweinchens mit 30 mm mitteilte, oh Schreck, und Hineinhören in meinen Bauch bestätigte ich den Termin für Ultraschall am nächsten Morgen und fuhr nach Hause. Xanny erklärte ich, dass die nächsten beiden Mahlzeiten ausfallen würden. Hat er nicht verstanden, aber ich hatte zumindest Bescheid gesagt.

Ich fragte meinen Mann noch einmal, ob er denn genau gesehen hätte, dass Xanny die Kugel geschluckt hatte. Er meinte dann, das müsste ich mit Sohnemann besprechen, denn der hätte vor dem Hund gestanden.

Nachdem ich Xanny mit der Schermaschine schon mal den mir von der Tierärztin gezeigten Bereich für den Ultraschall kahl geschoren hatte, kam Sohnemann nach Hause. Ich zu ihm: "Komm wir spielen Boccia! Du zeigst mir jetzt ganz genau, was am Samstag passiert ist."

Wir laufen also Xannys Weg mit der Kugel entlang und ich frage noch "Hast Du gesehen, dass er die Kugel geschluckt hat?" Er "Hm, naja, er hat drauf rumgekaut, sie noch mal ausgespuckt, und wieder aufgenommen!" Ich "HAST DU GESEHEN, DASS ER SIE GESCHLUCKT HAT?"

Da fuchtelt das Kind aufgeregt mit den Händen ... "Da ist die Kugel, Mama, daaaa bei der Nachbarin, daaaaaa unter dem Blumentopf!"

Ich hab gedacht ich brech zusammen. Eine Blumenschale in Herzform hatte Frau Nachbarin schräg ins Blumenbeet gestellt und darunter schlummerte die 30 mm große Bocciakugel aus Buchsbaum.

Ich habe so schallend laut gelacht, so dass Xanny sicher gedacht hat: "Jetzt ist sie völlig gaga!"

Und nun könnt ihr auch lachen. ICH bin froh, dass ich keinen Kugelhund mehr habe!

1 Kommentar:

  1. Traumhafte geschichte mit happy End. Wirklich schon geschrieben. Es freut mich das alles gut ausgegangen ist. LG dat Fuschi

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